Letzte Worte

Posted by on Sep 23, 2014 in Allgemein | No Comments

Letzte Worte

23. September 2014
von Karl Vitalij Karamasow

„Nicht jeder ist Zar, der im Kreml wohnt.“
(Russisches Sprichwort)

Alle Jahre wieder: feuchte Nebel treiben bunte Blätterwirbel durch vor allem Pariser Alleen, schlotternde Dichter stellen, darob ergriffen, umgehend jegliches Häuserbauen ein und Wladimir, den Schrecklichen, gelüstet es nach einem Großslawischen Reich vom Atlantik bis zur Baikal-Amur-Magistrale.
War er es, den ich in einer lauen Sommernacht im Dresden der Achtzigerjahre (zu seiner Zeit als KGB-Verbindungsoffizier) lauthals durch die Straßen gröhlen hörte: „… und morgen die ganze Welt“? Also von mir hatte er das bestimmt nicht. Glauben Sie mir!
Gleichzeitig zerbröselt am anderen Ende Europas das Britische Rest-Weltreich in seine Wald-, Steppen- und Inselvölker wie vor tausend Jahren. (Kann ich schon mal einen Antrag auf Staatsbürgerschaft in der künftig noch zu proklamierenden „Republic of Islay“ stellen? Mmh, eine torfig gute Idee, ist es nicht?). Den rebellischen Schotten (wie sie schon in der sechsten Strophe von Godsaveanyone geschmäht werden) sei Dank, ist dieses Whiskyglas vorerst an uns vorübergegangen und wir bleiben bis auf Weiteres verschont vor der wehleidigen Larmoyanz der Restbritannier, auf die ein im Fernsehen weinerlich bettelnder Ministerpräsident, man wolle/solle doch bittschön aneinander klebenbleiben (Let’s stick together) schon einen schaurigen Vorgeschmack gab. Und sollte die Queen etwa künftig im Ausland Urlaub machen, wenn sie nach Balmoral fährt? Von der hässlichen Flagge zu schweigen. Obwohl sich das kleinbritannische Wetter sehr verbessert hätte.
Groß-Berlin zuguterletzt hat bald keinen Wowi mehr … und das ist auch gut so. Gerechterweise muss man zugeben, dass es mit egal welchem Nachfolger zumindest vom Design her abwärts gehen wird. Etwas wohlhabender und durch und durch unsexy (oder so ähnlich).
Wenn allerdings die Russen (wieder) auf’m Ku’damm sind, ist das eh alles Kokolores, falls ihnen nicht gar die Chinesen oder der IS zuvorkommen. Man weiß kaum noch, welche Sprache man denn nun zuerst lernen soll, um sich auf die künftigen Besatzer vorzubereiten. Zumal es, wie man hört, mit unseren Hubschraubern nicht gerade zum Besten steht, der Rest unseres ruhmreich verrosteten Waffenarsenals gerade unterwegs nach Afrika ist, um dort Piraten und Seuchen zu erschrecken oder von DHL ins wilde Kurdistan geschippert (und dort wahrscheinlich kommentarlos beim Nachbarn abgegeben) wird. Da bleibt nur, die Bundesuschi persönlich mit Stahlhelm und Küchenmesser dem Feind entgegenzuwerfen, Konfuzius im Original zitieren zu lernen, sich einen Vollbart wachsen zu lassen (ja, auch und insbesondere die Damen unter uns) und Transparente zu malen: Здравствуйте друзья!

Klassiker des Tages:
„Es wird eine Zeit kommen, wo Nationalstolz ebenso angesehen werden wird wie Eigenliebe und andre Eitelkeit; und der Krieg wie Schlägerei.“
(Rahel Varnhagen von Ense, Briefe, 1877)