Letzte Worte 23. November 2015 von Karl Vitalij Karamasow

Posted by on Nov 24, 2015 in Allgemein | No Comments

Letzte Worte
23. November 2015
von Karl Vitalij Karamasow

„Die Jugend folgt, ein Rosenblatt, den Winden.“
(Nicolaus Lenau, Neuere Gedichte, 1838)

Als wäre ein nasskalter Niesel nicht schal genug, der uns ins enge Zuhause treibt, fühlt man sich derzeit leicht eingeklemmt zwischen den geistig Schwachen, die auf dem Dresdner Opernplatz, früher benannt nach einer scharfgescheitelten, schmalbärtigen Mode-Ikone, gegen das Morgenland protestieren, und den Schwachsinnigen aus dem Morgenland, die dieser Ikone in nichts nachstehen wollen. Schön, Sie haben Recht. Vom verwirrten Partisanen zum kontinentalen Eroberungskrieg ist es noch ein weiter Weg und wir wollen hier keinesfalls Kraut und Rüben durcheinanderwerfen, obwohl es vielleicht einen sinnvollen Eintopf ergäbe. Scheint ja derzeit ein globales Problem zu sein: Faschisten aus Überzeugung, Eiferer, Geiferer, Sektierer aller Art, neben jungen Leuten, die der Pelz juckt und für die die fürsorgliche Gemeinde nicht genügend Freizeitangebote aufbringen konnte.
Wir brauchen mehr Tischkicker!!!
Ob das im Sommer ’14 auch so war? Gähnende Langeweile mit all der Ordnung und den immergleichen Jahreszeiten? Dringendes Verlangen nach Schlamm, Giftgas und Heldentod? Kriegsweihnacht, Schützenschnur und Massengrab?
Könnt ihr uns mit diesen feuchtkalten Männerträumen nicht, im wahrsten Sinne, in Frieden lassen? Uns ist gerne langweilig. Euer Fußballverein, Gott oder Neuwagen interessiert die Welt einen feuchten Kehricht. Geht uns damit nicht auf den KEKS! Dafür gibt es Clubs, Kirchen, Selbsthilfegruppen, zur Not auch Zellen, Therapeuten oder, ganz rustikal, einen Strick aus dem Baumarkt. Zum Glück reicht den meisten ja heutzutage ein elektrischer Freundeskreis um ihrem Sendungsbewusstsein Genüge zu tun. Reicht ja, dass sie damit den Straßenverkehr behindern (frischgekürt zum Jugendwort des Jahres: Smombie = Smartphone + Zombie; nicht elegant, aber trifft das Phänomen).
Außerdem, um mal wieder zum friedlichen Ennui zurückzukehren, ist es ja auch schon wieder höchste Eisenbahn mit den Weihnachtsgeschenken. Gut, dass wir daran noch rechtzeitig gedacht haben. Hoffentlich gibt es Schnee. Und wer sich langweilt, soll den Amazonas erforschen oder einen Schlitten voller Geschenke zum Nordpol ziehen. Da draußen warten noch jede Menge Abenteuer, wie der Outdoorkrämer deines Vertrauens sagen würde. Und die Funktionskledage ist auch viel besser geworden.
Apropos Langeweile: unser Mädel aus der Uckermark ist auch schon wieder zehn Jahre Chef und man hat es fast gar nicht bemerkt. Ja, über deutsche Kanzler kann man wohl Schlimmeres sagen, siehe oben.

Klassiker des Tages:
„O, wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen.“
(Georg Büchner, Leonce und Lena, 1838)