Letzte Worte 23. Februar 2015 von Karl Vitalij Karamasow

Posted by on Feb 25, 2015 in Allgemein | No Comments

„Durch Krieg den Volksschmerz heilen – heißt: / Enthaupten den, den Zahnschmerz plagt.“
(Anastasius Grün, Der Pfaff vom Kahlenberg, 1850)

Trötteröttö! Das OKW gibt bekannt: Die Verteidiger Wiens, die bereits am Ende des letzten Kriegsjahres weit hinter die Elbe zurückgeworfen wurden, sind trotz erbitterter Gegenwehr in zermürbenden Rückzugsgefechten bei Dresden aufgerieben worden und leisten nur noch vereinzelten Widerstand. Das Abendland soll aber, dem Vernehmen nach, unbeschadet weiterexistieren.
In der Ukraine stellen sich unsere Verbündeten mit beispiellosem Heldenmut dem vordringenden Bolschewismus entgegen, verlieren aber an einen übermächtigen russischen Bären weiter Boden.
Der oberkommandierende Bär Wladi kann aber gar nichts dafür, weil er, statt Bären zu jagen, lieber mit freiem Oberkörper Blaubeeren pflückt und Kalinka trällernd durch die Taiga hüpft. Nur wenn keiner hinschaut, reißt er zum Zeitvertreib mal den einen oder anderen Pilzsucher (im Wald gibt’s halt keine Zivilisten). Aber so ist er nun mal, ein Bär eben.
Vom Hindukusch werden derzeit keine Kämpfe mehr gemeldet. Vermutlich haben sich unsere Truppen, nach den beispiellosen Erfolgen des vergangenen Jahrzehnts, weiter in Richtung Ural zurückgezogen und werden in den nächsten Tagen entweder auf die Kaspischen Ölfelder vorstoßen oder zum Urlaub auf der Krim wegtreten, wer weiß das schon so genau.
Als gefallen vermeldet wurde der Schokoladenfabrikant Signore „Willy Wonka“ Ferrero, dessen braune Frühstückspaste Millionen deutscher Kinder in Fettleibigkeit und Lethargie getrieben hat (wohingegen sie Sportler exklusiv zu weltmeisterlichen Höchstleistungen beförderte). Allein diese piemontesische Schokoschmiede zeichnete wohl für beinahe die Hälfte aller Glücksversprechen unserer Kindheit verantwortlich: sportlichen Erfolg, Gesundheit, eine Heerschar von Freunden, Noblesse und Kunstsinnigkeit, Schlankheit (sic! „… gerade mal zwei Kalorien.“), Lebensart, Bodenständigkeit, Leichtigkeit, Raffinesse. Darauf ein Küsschen, eine Extraportion Milch und eine Goldkugel. Wahlweise eine Nusswaffel, ein Pfefferminzpastillchen oder eine Schnapskirsche (persönlich gepflückt von Claudia Bertani … und aus dem Piemont war sie auch nie). Um bei den Charts für die dreistesten Werbelügen den Signore auch nur von einem der ersten zehn Plätze zu verdrängen, müssten sich alle anderen schon sehr viel Mühe geben. Aber seien wir ehrlich: ehrlich wird man auch keine 17 Milliarden schwer. Apropos Süßkram:
Außer Dienst gestellt wurde der Generalissimus der Bonner Fruchtgummibärenarmee (oder woraus immer der Onkel Riegel die geschnitzt hat), Tommy Ex-Supernase, Ex-Prominentengrapscher und Ex-Samstagabendvordiehundeachauchegalgibtjasonstnix (die sehr Älteren erinnern sich mit Grausen) und durch den leicht weniger vergreisten Bully Manituschuh ersetzt, der ab sofort mittels Appellen und Paraden das klebrige Kleinstvolk kommandieren darf. Husch, husch, husch zu Elbe, Dnepr und Hindukusch.
Da kann man als Abendländer wenigstens wieder ruhig schlafen.

Klassiker des Tages:
„Let me have war, say I (…) it’s sprightly, waking, audible, and full of vent“ [„Ich bin für den Krieg, sage ich (…) er ist lustig, wachsam, gesprächig, immer was Neues“]
(W. Shakespeare, Coriolan, um 1605, übers. v. Schlegel)