Letzte Worte 23. März 2015 von Karl Vitalij Karamasow

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„Now is the winter of our discontent / Made glorious summer by this sun of York“ [„Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens / Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks“]

(Richard III., W. Shakespeare, um 1593, übers. v. Schlegel)

530 Jahre nachdem ihn dieTudors fachmännisch und heimtückisch unter dem Parkplatz des Sozialamtes von Leicester versteckt hatten, wurde nun der bucklige Bösewicht Richie III., Vor- und Urbild der wahren und einzigen Traumrolle jedes wahren und einzigen Barden, strebsamer Jungkönig und verdienter Prinzen- und Freundesmörder, letzter Fechter der weißen Rose, aufs Gründlichste erschlagen und erdolcht 1485 zu Bosworth, anno 2012 ausgebuddelt, vermessen und für echt befunden, just gestern (es handelt sich um Zeitgeschichte!) erneut zum Schlachtfeld gekarrt, hergezeigt (was man als Gentlemen noch zeigen kann: die Außenansicht einer Holzkiste), zurückkutschiert nach Leicester-City, von den verbliebenen und tausendfach neuerstandenen Anhängern Yorks bejubelt und soll daselbst am Donnerstag sein millionenschweres Begräbnis erhalten (inklusive eigens umgebauter Kathedrale): Tout est pardonné. Alles nur üble Nachrede des tudorhörigen Schreiberlings William S.; Richie – ein früher Reformkönig, aufgeklärt, modern, gutaussehend (blond und blauäugig! sagen die Genetiker), ein richtig knuffiger Kerl eben. Gut: von einer unbedeutenden Rückgratverkrümmung entstellt (also benachteiligt), mit einigen kleinen Intrigen und beinahe zu vernachlässigender Mordrate auf dem Weg zum Thron (gemessen am damals Üblichen), aber wenn man an die Fleischtöpfe respektive König werden will, muss man, damals wie heute, Eier zerschlagen, wie der Ureinwohner Albions gerne sagt, muss man nicht?, bevor er nachmittags ein Gurkenbrot in heißes Wasser taucht.
Ein frühes Osterei für Leicester und als Wallfahrtsknochen (ja, der war noch katholisch, obwohl er jetzt – horribile dictu – anglikanisch bestattet wird) der Yorkisten und Barden aller Länder zukünftig wohl wertvoller als jedes bloß heiliggesprochene Gebein (oder Derivat von diesem). Ein britischer Barbarossa, der, wenn die Not am größten ist, wiederkehrt und England verteidigen wird gegen die Bande Lancaster/ Tudor/ Europäische Union, mit ihrem Abfall vom Glauben, der modischen Pöbelherrschaft und ewiglauernden Invasionsgelüsten.
Sollte mich nicht wundern, wenn demnächst in Dresden, wo der weiße arische Widerstand neue Sultane vor den Stadttoren gesichtet hat, weiße Rosen en vogue werden.

Klassiker des Tages:
„Roses have thorns, and silver fountains mud (…) And loathsome canker lives in sweetest bud“ [„Die Ros‘ hat Dornen, Schlamm der Quell (…) Ein ekler Wurm in schönster Knospe wohnt“]
(W. Shakespeare, Sonette, 1609, übers. v. Bodenstedt)